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94-Jähriger wollte seine Ehefrau erlösen und schnitt ihr die Kehle durch: 5 Jahre Haft

Mordprozess brachte Schuldspruch wegen Totschlags  -  Geschworene zweifelten an Version des Angeklagten

Weil er am 16. August 2007 seiner Ehefrau die Kehle durchgeschnitten hatte, ist ein 94-jähriger Wiener im Straflandesgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Geschworenen verwarfen einstimmig die Mordanklage und erkannten auf Totschlag. Sie gingen davon aus, dass sich der Mann in einer allgemein begreiflichen heftigen Gemütsbewegung - altersbedingten Erkrankungen und damit einhergehenden Depressionen - zur Bluttat hinreißen hatte lassen.

"Fünf Jahr' hob i nimmer, weil nach drei Jahren stirb i!", reagierte der betagte Wiener auf die Entscheidung. Nach Beratung mit seinem Verteidiger akzeptierte er das Urteil, die gesetzliche Mindeststrafe für das angenommene Delikt. Staatsanwalt Michael Schön gab vorerst keine Erklärung ab.

Selbstmordversuch scheiterte
Wie der geistig und körperlich erstaunlich fitte Greis ("Ich habe viel Sport betrieben!") dem Schwurgericht (Vorsitz: Andreas Böhm) darlegte, hätte er gemeinsam mit seiner 83-jährigen Frau Selbstmord begehen wollen. Nachdem er sie erstochen habe, sei es ihm jedoch nicht gelungen, sich zu Tode zu bringen. Versuche, sich die Pulsadern aufzuschneiden und mit einem Schnitzelklopfer zu erschlagen, hätten nicht zum Ziel geführt.
 

Depressionen

Der ehemalige Polizeibeamte - der Mann war seinerzeit Chauffeur des legendären Wiener Polizeipräsidenten Josef Holaubek - war im Vorjahr nach einer Bypass-Operation in Depressionen verfallen. Weil er gesundheitlich abgebaut hatte, verließ ihn der Lebensmut. Seine Frau, die er 1952 geheiratet hatte, versuchte ihn aufzumuntern, doch er war oft über Tage hinweg nicht dazu zu bewegen, das Bett zu verlassen.

Schließlich äußerte er Selbstmordabsichten. "Was hat das für an Sinn? Wir sitzen den ganzen Tag zu Hause und haben Schmerzen!", gewährte der 94-Jährige den Laienrichtern Einblick in seine Gefühlswelt. Seine Frau, die unter anderem an chronischen Rückenschmerzen litt, habe den Freitod jedoch zunächst entschieden abgelehnt. Für die strenggläubige Katholikin kam diese "Todsünde" auf keinen Fall in Frage.

Tod im Schlaf
Der 94-Jährige behauptete, am Ende hätte seine Frau nach langen Debatten mehr oder weniger in seine Überlegungen eingewilligt, sich jedoch ausbedungen, im Schlaf zu sterben: "Das Problem war, dass ich meine Frau im Schlaf umbringen musste, damit sie keine Todsünde begeht."

Zeugin widerspricht
Die Geschworenen schenkten dieser Darstellung keinen Glauben, da die Nichte der Frau im Zeugenstand Folgendes berichtet hatte: Wenige Tage vor ihrem Ableben habe ihr die 83-Jährige erzählt, wie sehr sie sich auf das Seniorenheim freue, in das das Paar demnächst zu übersiedeln gedachte.

Der zum Tatzeitpunkt 93 Jahre alte Pensionist dürfte am frühen Morgen in der Gemeindebauwohnung in der Herbortgasse in Wien-Simmering zur Waffe gegriffen haben. "Ich hab' mir das komische Messer geholt, einig'stoch'n und fertig", schilderte er. Er sei "verzweifelt" gewesen. "Ich habe meine Frau geliebt!", versicherte der 94-Jährige.

Nach der Bluttat legte sich der hochbetagte Mann neben seine tote Frau ins Bett und verbrachte mehrere Stunden in dieser Position, ehe er am Abend seinen Sohn anrief und diesem berichtete, er habe seine Frau "umgebracht". Die Tür stehe offen, man könne ihn "abholen".

Als die Polizei eintraf, soll der Pensionist erklärt haben: "Weil das alles so monoton war, wollte ich nicht mehr." Nach Angaben der Beamten habe er dabei mit dem rechtem Arm Stichbewegungen ausgeführt und "Ich bin der Macher!" gesagt.

(APA/red)

 

 

 

 

 Quelle: http://www.news.at/articles/0814/10/201977/94-jaehriger-ehefrau-kehle-5-jahre-haft


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